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Dänemark - Notizen einer Reise, Teil II
Abt.: Es gibt viel zu sehen, schauen wir’s an! Die folgenden Zeilen und Seiten wollen kein kulinarischer oder gar Reise-Führer sein. Es sind lediglich ...
Wir ließen Hvide Fyr (weißer Leuchtturm; keine Folge ohne sie) links liegen, obwohl er doch nennenswert ist (kleiner Treppenturm mit großer Metallschale, in der das Signallicht wie das olympische Feuer brannte), tummelten uns noch ein wenig im herrlichen Hafen mit seinen roten Häusern und unzähligen Fischrestaurants, ergötzten uns an einem neuen VW-Bus, der, unter einer Straßenlaterne geparkt, auf der gerne Möwen sitzen, die keine Ahnung von der großartigen WC-Infrastruktur haben dürften, ziemlich alt aussah. In Sæby erinnerten wir uns an die alte Fährmanns-Weisheit - und blieben somit auf der Küstenstraße (mit ihren zwei Überfahrten). Als gelernte Touristen stolperten wir auch über die Fregatte Jylland, das längste Holzschiff der Welt nämlich, das in Ebeltoft im Restaurierungsdock liegt und schon 1864 bei der Schlacht vor Helgoland gegen Österreich mitgemischt haben soll (wir wissen’s natürlich nicht, denn wir waren ja damals nicht dabei), und auch über das gleichnamige Bier mit wunderschönem Etikett im nahen Supermarkt. Unweit von hier ist der Ort Elsegårde, und Blushøj Camping geht als der zweitschönste Platz in die Annalen dieser Fahrt ein: Am steilen Weg zwischen den Terrassen und dem Meer liegt eine Bucht, groß genug für zwei Reisende und eine Ente (selbst wenn sie ein Zelt dabei gehabt hätten), mit direktem Blick zur Insel Hjelm, deren Leuchtturm uns in den Schlaf geblinzelt hat ...
Die Insel Fyn (Fünen) erreichten wir über eine große Brücke (da dürfte die Fährmannsgewerkschaft nicht stark genug gewesen sein), fuhren den unteren Halbkreis aus und verließen sie Richtung Sjælland (Seeland) über eine ganz große: knapp 17 km lang und 225 Eier (muntere 4 Hunderter) teuer. Die nördliche Küstenstraße Seelands führte uns nach Helsingør. Dort ist die kürzeste Distanz zwischen Dänemark und Schweden und somit reger Fährverkehr im Straßenbahntakt. Bei gar köstlichen Fish&Chips, zubereitet von einem Exil-Briten (sonst hätten wir sie bestimmt nicht genommen), haben wir das Schauspiel beobachtet, wie die ankommenden Schweden in das nächste Geschäft rannten, Bier und auch richtigen Alkohol in haushaltsunüblichen Mengen bunkerten und wieder zurück auf das Schiff stürmten. Bei der kurzen Verweildauer im Hafen kann sowas schon zu Streß ausarten, und einer hatte es gerade noch rechtzeitig geschafft. Dänemark ist das Land für den Enten-Voyeur. Wir erspähten an diesem Tag 18 Stück auf der Straße (also nicht irgendwelche Leichen in Hinterhöfen). In unserer Heimat erliegen wir schon bei der zweiten Sichtung einem Hormonschub.
Roskilde ist ja nicht nur durch die Austragung des 3rd international meeting of 2cv friends 1979 bekannt, sondern auch dadurch, daß es vor Kopenhagen Hauptstadt war und schon seit der Wikingerzeit bedeutend. Die Wikinger waren durch ihre Holzbearbeitungs- und Schiffsbaukenntnisse recht mobil und hatten einen großen Aktionsradius. Irgendwann kam dann doch eine äußerliche Bedrohung von Roskilde, und die Bewohner haben ihre eigenen Schiffe systematisch als Barriere in der Fahrrinne versenkt. Vor ungefähr 15 Jahren ist man bei Bohrarbeiten auf den sensationellen Fund von anfangs drei, dann insgesamt fünf Schiffen gestoßen, die seit knapp 1000 Jahren im Meer ruhten. Die bloße Ausgrabung der Hölzer hätte sie sofort zerstört. So wurden sie einzeln unter viel Wasserspülung aus dem Schlamm gepinselt und versucht, die gewohnte Umgebung noch ein wenig aufrecht zu erhalten, das Holz nach und nach (vom Meerbedarf) zu entwöhnen, mit Epoxy-Harz zu verstärken und zu konservieren. Danach wurden aus den tausenden Einzelteilen die Schiffe rekonstruiert, was zu einem Prozentsatz von 50 ... 85 (je nach Typ) gelang. Von der Auffindung bis zur Wiederherstellung sind über 10 Jahre vergangen und heute kann man die Funde in der Wikingerschiffshalle am Roskilde-Fjord bewundern (all diese Weisheiten stammen aus einem Videofilm in deutscher Sprache, der dort vorgeführt wird). Auch werden Fahrten mit Repliken angeboten. Vor der Halle ist ein Markt entstanden, der Waren aus dieser Zeit herstellt und verkauft (z.B. sind ja Filzbälle doch Artikel des täglichen, auch damaligen, Bedarfs; im Ernst: es gibt auch Brote, Räucherfisch aus einer Leinen-Paravent-Räucherei, Felle, Wolle, Schmuck usw.). Die (alte) Kirche von Højerup an der Stevns Klint ist schon seit 1928 einen Schritt weiter als die Mårup Kirke: Da stürzte nämlich der Chor ins Meer, obwohl das Bauwerk 1357 fünfzig Meter vom Klippenrand entfernt errichtet wurde. Heute ist das Fundament gestützt, man kann sich also alles bedenkenlos ansehen. Der Strand sowie der verbleibende Teil der Kreideklippe sind nicht gesichert, unser Forschertrieb überredete uns aber dennoch zu einer Begehung (auf eigene Gefahr). Autobahnen sind in Dänemark kostenlos, eine führte uns auf die Insel Falster, die Bundesstraße in die Stadt Gedser und die Füße zum südlichsten Punkt Skandinaviens, der durch den Findling Sydstenen, einen 5 Tonnen schweren Stein, den die Eismassen vor 15.000 Jahren von Schweden hierher transportiert haben, angezeigt wird. Rødbyhavn auf der Insel Lolland war der letzte von uns angesteuerte Punkt dieses Landes, denn von hier legt die Fähre der Vogelfluglinie (auch im Straßenbahntakt) ab nach Puttgarden, dem deutschen Pendant zu Rødbyhavn. Deutsche Autobahnen brachten uns nach Ostfriesland, wo wir das letzte Drittel Urlaub erleben wollten. Die Strandkörbe, unter anderem, als typische Merkmale haben uns hierher gezogen. An der Nordküste enden alle Ortsnamen auf -siel (Neuharlingsiel und Carolinensiel beispielsweise), was darauf hinweist, daß das Land trockengelegt und urbar gemacht und das Wasser, durch großzügige und aufwendige Wall- bzw. Schleusenanlagen, in geregelte Bahnen gelenkt wurde. Die Urahnen der heutigen Bewohner hatten ein recht rauhes Leben im Kampf gegen die Naturgewalten und ein ziemlich distanziertes Verhältnis zu Fremden. Dies hat sich bis heute erhalten (einige der Watt-Inseln haben Auflagen, die einem den Besuch ganz schön vergällen, was auch deren Zweck sein soll). Wir hatten uns auch schon auf Aussatz untersucht - Fehlanzeige - doch so kamen wir uns behandelt vor. Auch trugen wir weder ein rot-weiß-rotes Fähnchen noch einen Gamsbart am Hut, ja nicht einmal den. Rühmliche, weil freundliche, Ausnahmen waren das Muschel- & Schneckenmuseum (in einer Windmühle) sowie das Tee- & Heimatmuseum in Norden (die Negativa seien hier nicht erwähnt, sie würden möglicherweise den Rahmen sprengen).
Der direkte (Um-)Weg in die Heimat führte, da es sich zwangsläufig um eine Nord-Süd-Durchquerung Deutschlands handelte, über Karlsruhe zu einer OECC-Außenstelle, und durch die Grenznähe weiter ins Elsässische Kulinarium. Der Flammkuchen ist viel feiner als die Pizza und deshalb in den unterschiedlichsten Variationen, mit Belägen von zart bis hart, zu genießen. Von Vorteil ist, wenn viele Mitesser am Tisch Platz nehmen, da in diesem Fall alles, einschließlich der Nachspeisen-Ausgabe, probiert werden kann. Gesättigt ist man dennoch mehr als einem lieb ist. (Nochmals und in aller Öffentlichkeit: Dank nach KA!) Überrascht hat uns die Freundlichkeit der (Süd-)Westdeutschen, besonders, als wir am Sonntag frische Backwaren kauften, waren wir doch in den letzten Tagen wahrlich anderes gewohnt.
Wir waren jene, die am längsten im Museum verweilten, ein Ereignis, das uns ungefähr jedesmal passiert ist. Um ½3 gingen wir dann schlafen, in ein richtiges, gesellschaftlich anerkanntes Bett daheim. Zum ersten Mal seit 24 Tagen. Gute Nacht ...
Wer wirklich bis hierher gelesen hat, sei beglückwünscht, Ihr habt es überstanden! Alles, was in dieser Geschichte nach historischer Bildung aussieht, haben wir unserem treuen Begleiter zu verdanken: DÄNEMARK - Dirk Schröder, Ursel Pagenstecher, Verlag Martin Velbinger
© Sabine & SLOTEN,
10. Jänner 2001
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